| Von Hansueli Mösle | |
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| Immer häufiger werden ältere Mitmenschen Opfer von Gewaltanwendungen, wobei Gewalt im Alter ein international allgegenwärtiges Problem ist. Die Misshandlung älterer Menschen wird noch nicht lange als eigentliche Problematik betrachtet, und die WHO (World Health Organization) hat sie erst im Jahr 2002 als prioritäres Thema und Problem der öffentlichen Gesundheit anerkannt. Auch über die Häufigkeit von Misshandlungen oder Gewalt im Alter gibt es keine genauen und umfassenden Angaben. Generell wird davon ausgegangen, dass in der Schweiz rund 3-6% aller über 65jährigen Gewalt in der einen oder anderen Form erfahren. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Gewalt im Alter ist aber zunehmend, und immer öfter wird auch in den Medien über Gewaltanwendungen und Misshandlungen im Altersbereich und in Altersinstitutionen berichtet. Wie zudem einem neuesten Bericht der WHO vom Juni 2011 entnommen werden kann (European report on preventing elder maltreatment), ist insbesondere die häusliche Gewalt in allen europäischen Ländern ansteigend, und Massnahmen zum Schutz der besonders verletzlichen Gruppe der älteren Menschen sind dringend erforderlich. Grundsätzlich wird das Thema aber immer noch stark tabuisiert. Insbesondere Gewaltanwendungen im privaten, häuslichen Bereich treten nur selten ans Licht.Unabhängige Beschwerdestellen In der Schweiz haben einzelne Kantone und Städte öffentliche Ombudsstellen für Alters- und Heimfragen geschaffen, die sich mit Beschwerden im Zusammenhang mit staatlich unterstützen Pflegeinstitutionen (Pflegeheime und Spitex) befassen. Im häuslichen Bereich sind aber Opfer und Täter oft sich selber überlassen. Bestehende Lücken im Beratungsnetz deckt in der Deutschschweiz vor allem die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) ab. Sie ist eine der wenigen Organisationen der Schweiz, die sich dem Thema Gewalt im Alter annimmt. Nicht nur ältere Menschen, sondern auch Angehörige oder Betreuungspersonen können sich vertraulich und kostenlos an sie wenden (www.uba.ch). Die UBA Schweiz bietet eine zentrale Anlaufstelle für Erstkontakte in der Deutschschweiz an. Sie betreibt eine Datenbank und analysiert und veröffentlicht mittels Statistik die Entwicklung der verschiedenen Konfliktsituationen zum Problembereich „Gewalt und Misshandlung im Alter“. Zudem fördert sie die Ausbildung und Sensibilisierung für dieses Thema und entwickelt Präventionsaktivitäten in Zusammenarbeit mit anderen Stellen. Auch die Alters- und Pflegeinstitutionen schätzen das niederschwellige Angebot der UBA für Unterstützung nicht nur im Zusammenhang mit Gewalt und Misshandlung (wie beispielsweise freiheitsbeschränkende Massnahmen ohne Absprache), sondern ebenso sehr auch bei Konflikten zu Heim- und Pflegekosten (z.B. Betreuungstaxen, Einstufungen). Es zeigt sich im Alltag der Pflegeheime, dass die UBA als Klärungs- und Schlichtungsstelle bei Konflikten mit Heimbewohnern dient und eine präventive Funktion im Heimalltag ausübt. Darüber hinaus nimmt die UBA Anfragen von Betroffenen in Heimen und aus dem häuslichen Umfeld entgegen. Die Behandlung der Beschwerden bei der UBA erfolgt in lokal verankerten und selbständig operierenden Regionalstellen (Zürich/ Schaffhausen, Ostschweiz und Zentralschweiz) in insgesamt 14 Kantonen. In der Westschweiz und im Tessin arbeitet die UBA zusammen mit der Organisation „Alter Ego“. Gewaltarten und Konfliktfälle Gemäss internationaler Definition werden folgende Arten von Gewalt unterschieden:
Es kann unterschieden werden zwischen einer Misshandlung oder einer Vernachlässigung. Eine Misshandlung liegt dann vor, wenn eine gewollte Handlung Betroffene schädigt, verletzt oder einschränkt. Bei einer Vernachlässigung werden die Standards und Anforderungen an eine normale Lebensführung verletzt. |
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